Ablegerbildung

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Imkerverein an der Trave e.V.                                                 Eckard Moßner, Grabau

Ablegerbildung und Varroabekämpfung im fortgeschrittenen Frühjahr

Aus den ersten fertig verdeckelten Drohnenecken dürfen die Drohnen schlüpfen. Die folgenden Drohnenwaben werden ausgeschnitten, um die dort vorhandenen Milben zu beseitigen. Varroamilben bevorzugen, wie es scheint, Drohnenwaben, da Drohnen eine gegenüber den Arbeitsbienen um 2 Tage verlängerte Entwicklungszeit brauchen, was der Entwicklung der Milben dienlich ist.

Um gesunde Winterbienen zu erhalten, ist eine rechtzeitige Milbenbekämpfung nötig. Eine sehr wirkungsvolle Milbenbekämpfung mit gleichzeitiger Schwarmverhinderung kann zu Beginn der Schwarmzeit vorgenommen werden, wenn in den ersten Weiselzellen Stifte bzw. Maden vorhanden sind. Der Zeitpunkt für diesen Eingriff lag in den letzten Jahren bei Ende Mai bis Anfang Juni. Um das Vorhaben zu erleichtern, empfiehlt es sich, die Standfläche neben der Beute zu beiden Seiten um mindestens 70cm zu verlängern.

Beispiel: Volk mit zwei Honig- und zwei Bruträumen (Abb.1)

Die Honigräume werden abgenommen und beiseite gestellt. Aus den beiden Bruträumen sind alle Waben mit verdeckelter und auch älterer offener Brut, mit wenigen Bienen,und ohne Königin, in zwei neue Zargen V und VI zu hängen.

Während die untere neue Zarge V alle Brutwaben erhält, die sie fassen kann, kommt der Rest in die Zarge VI, die mit zwei Randwaben voll Futter, einer Wabe mit ca. einer Handfläche voll Wasser und Rähmchen mit Mittelwänden aufgefüllt wird. Recht einfach lässt sich das Wasser mit einer Tasse auf die schräge (nicht waagerecht) gehaltene Wabe eingießen.

 

Verdeckelte Weiselzellen sind zu entfernen, um sicher zu sein, dass keine Königin in den nächsten Tagen schlüpft. Die offenen Weiselzellen bleiben unangetastet. Unverdeckelte Drohnenwaben dienen weiter als Milbenfänger im Muttervolk.

Die Königin bleibt auf jeden Fall in den alten Bruträumen auf ihrem angestammten Platz. Der in den beiden Brutraumzargen entstandene freie Raum wird mit ausgebauten, unbebrüteten oder wenig bebrüteten Waben oder/und Rähmchen mit Mittelwänden aufgefüllt. Über den oberen Brutraum kommt das Absperrgitter. Dann werden die Zargen V und VI mit der verdeckelten Brut aufgesetzt und schließlich folgen oben die beiden Honigzargen III und IV (Abb.2).

(Die bis hierhin beschriebene Vorgehensweis läuft darauf hinaus, dass das Muttervolk seine alte Königin behält. Das Volk kann später umgeweiselt werden. Man kann auch den Brutableger mit der alten Königin versehen und dem Muttervolk eine verdeckelte Weiselzelle überlassen. Mir gefällt die Vorgehensweise, wie ich sie beschrieben habe und noch beschreibe, besser.)

Nach zwei bis vier Stunden sind genügend Pflegebienen auf den Brutwaben anzutreffen, so dass die Zargen mit der Brut als Ableger eine Hand breit neben dem Muttervolk auf einen sauberen Boden gestellt und mit Folie und Deckel verschlossen werden können. (Abb.3a und 3b).

 

Was will man erreichen?

Die meisten Milben befinden sich in der verdeckelten Brut, sie sind auf diese Weise aus dem Muttervolk entfernt worden.

Die frisch geschlüpften Ammenbienen befinden sich im Ableger.

Die im Muttervolk verbliebenen Ammenbienen haben genügend heranwachsende Maden zu versorgen. Falls noch Flugbienen im Ableger vorhanden sind, fliegen diese in das Muttervolk zurück. Der Schwarmtrieb erlischt.

Eine Verstärkung des Muttervolks mit Bienen aus dem Brutableger ist möglich, wenn der Brutableger gegen Milben behandelt worden ist (siehe unten).

Nach ca. einer Woche finden beim Muttervolk und beim Brutableger Durchsichten statt: Die ersten neu verdeckelten Brutwaben im Muttervolk, sie beherbergen noch viele Milben, bekommt der Brutableger zusätzlich aber bienenfrei.

Sinnvoll ist es, eine Reservekönigin heranzuziehen: Ein Ablegerkasten erhält von dem Brutableger eine Brutwabe mit einer verdeckelten Weiselzelle und die Bienen von zwei Waben, von dem abgenommenen Brutableger, dazu eine Futterwabe, etwas Wasser in einer hellen Wabe und Rähmchen mit Mittelwänden. Dieser Ableger verträgt keine Bienenverluste und sollte deshalb an einem mindestens drei km entfernten Ort vorübergehend eine neue Heimat finden (Abb.4).

Sämtliche Weiselzellen des Muttervolkes (falls vorhanden) sind zu entfernen. Damit dürfte der Schwarmtrieb erloschen sein.

Die größte Menge an Milben befindet sich im Brutableger. Der Ableger behält lediglich eine nunmehr verdeckelte Weiselzelle in der unteren Zarge. Um ein Bild vom Befallsgrad der Bienen durch die Milben zu erhalten, sollte der Milbenbefall auf einem Gittereinschub sichtbar gemacht werden. Bei dem Brutableger beginnt nach acht Tagen 12 Tage lang die Entmilbung mit 60%iger AS. Eine Behandlung mit 15%iger Milchsäure könnte erst nach dem Schlupf der letzten Bienen erfolgen, da die Milchsäure nicht in die Zellen hineinwirkt (Abb.5b).

Im Abstand von jeweils einer Woche wird der Brutableger auf frische Brut hin untersucht. Ist nach drei Wochen keine Brut zu erkennen, dann empfiehlt sich eine Weiselprobe mit Hilfe von einer frisch bestifteten Brutwabe. Die Nachschau erfolgt nach einer weiteren Woche. Bei negativem Ausgang der Weiselprobe (keine neu angesetzten Weiselzellen, die Brut wurde nur gepflegt) ist noch etwas Geduld nötig, vielleicht ein bis zwei Wochen. Die Königin ist wohl vorhanden, aber aus verschiedenen Gründen noch nicht in Brut gegangen.

Wurden hingegen Weiselzellen neu angesetzt, ist der Brutableger aller Wahrscheinlichkeit nach weisellos: Die Bienen dürfen sich eine Königin neu nachziehen oder man entfernt die zugehängte Weiselprobenwabe und setzt eine in Brut befindliche Reservekönigin hinzu. Die offene Brut der Weiselprobe würde die Stockbienen dazu bringen, die zugesetzte Königin abzustechen.

Seit der Brutablegerbildung sind nun drei Wochen vergangen. Im Brutableger sind sämtliche Bienen ausgeschlüpft. Eine Woche lang soll nun eine saubere Varroagittereinlage den natürlichen Totenfall der Milben zeigen. Sind in dieser Woche durchschnittlich mehr als zwei Milben pro Tag gefallen, muss eine Behandlung mit Milchsäure erfolgen, wenn die neue Königin in Brut gegangen ist. Aber auch dann darf man nur sehr vorsichtig vorgehen, denn die Königin hat in der kurzen Zeit das Fliegen nicht verlernt. Ratsam wäre es, die Königin kurzfristig zu käfigen und sofort nach der Milchsäurebehandlung die Königin in eine Wabengasse einlaufen zu lassen.

Das Völkchen mit der Reservekönigin muss ebenfalls mit Milchsäure behandelt werden.

Falls der Eindruck entsteht, bei dem Muttervolk reicht die Volksstärke zum Eintragen der Sommertracht nicht aus, lässt sich ein Teil der Flugbienen des Brutablegers mit dem Muttervolk zurück vereinigen. Um evtl. auftretende Räuberei aus dem Weg zu gehen, empfehlen sich die Abendstunden für den Eingriff.

Abb.6a zeigt die Ausgangsanordnung: links das Muttervolk, rechts der Brutableger. Der Brutableger dürfte zu diesem Zeitpunkt recht stark sein und kann eine Schröpfung zu Gunsten des Muttervolkes gut vertragen.

Die zwei weiteren Zeichnungen 6b und 6c zeigen zwei einfache Möglichkeiten, die Völker durch Verschiebung zu verstärken:

1. Der Brutableger wird von seinem angestammten Platz 2 auf Platz 3 gesetzt (Abb.6b). Die Flugbienen des Brutablegers betteln sich bei dem Muttervolk ein. Sicherheitshalber sollte man dem Brutableger in einer Wabe etwas Wasser reichen, da ihm die Flugbienen weitgehendst verloren gehen, und, wenn Bedarf besteht, ein oder zwei Futterwaben geben.

2. Der Brutableger wird um eine halbe Beutenbreite vom Muttervolk abgerückt und das Muttervolk an den Brutableger herangeschoben (Abb.6c). Dadurch fliegen die Flugbienen des Brutablegers zum Teil in das Muttervolk.

Die oben beschriebene Verstärkung des Muttervolkes lässt sich nur dann durchführen, wenn die neue Königin des Brutablegers in Brut gegangen ist. Würde man während der Brunft der neuen Königin den Brutableger verschieben, könnte sich die Königin leicht verfliegen.

Wegen des Einsatzes von AS scheiden das Wabenwerk und die Beute des Ablegers für die Honiggewinnung einstweilen aus.

Eckard Moßner, Grabau

Abb. nach Vorlage des Verfassers
bearbeitet: W. Matzick