Honig

"Honig dürfen keine anderen Stoffe als Honig zugefügt werden."

Honigverordnung

Unsere Vereinsmitglieder erhalten einen Honig, der von ihren Bienen aus der Umgebung gesammelt wurde. Dabei besuchen die Tiere ca. 1,2 km um den Standort des Bienenstandes herum die Blüten verschiedenster Pflanzen. Dieser Honig ist also einmalig und ein echtes Produkt der Region. Natürlich können Bienen auch größere Strecken zurücklegen. Da sie für den Flug Energie brauchen und diese durch Verbrauch des gesammelten Nektars decken, erzeugen sie bei größeren Entfernungen keine Überschüsse für den Honigvorrat in den Stock. Die Kosten wären also höher als der Nutzen für die Bienen.

Die Zusammensetzung des Honigs hängt von den Pflanzen ab, die in den Gärten, Knicks und auf den Feldern blühen. Überwiegt ein Blütenanteil, d.h. stammt der Honig mindestens zu 60% von einer Pflanzenart, so darf er als Sortenhonig, z.B. Rapshonig bezeichnet werden. Da unsere Imkerinnen und Imker vor Ort bleiben, ist ihr Honig ein streichfähiger, heller Honig mit meist hohem Rapsanteil im Frühjahr und ein würziger, etwas dunklerer Sommerhonig. Je nach Anbau auf den Feldern der Umgebung variiert auch der Geschmack der Honige von Jahr zu Jahr. Die Blüten sondern zuckerhaltigen Nektar aus speziellen Drüsen ab, den die Bienen als Energiespender sammeln. Daraus stellen die Bienen dann haltbaren Honig her, indem sie den Nektar auf seine Hälfte eindicken. Für 1g Honig waren 3000 Blütenbesuche nötig, d.h. für ein Glas sind insgesamt 1,5 Mio. Blüten besucht und bestäubt worden.

Blüten erzeugen Pollen, die für jede Pflanzenart eine charakteristische Form haben. Man kann also unter dem Mikroskop erkennen, von welchen Blüten der Honig gesammelt wurde. Pollen werden als Eiweißspender benötigt und die Bienen haben einen Überblick über die Pollenvorräte im Stock, wie man aus ihrer Sammeltätigkeit schließen kann.

Im Bienenstock regeln die Bienen die Temperatur im Sommer ziemlich genau im Bereich um 35°C. Im Brutbereich werden sogar 40°C gemessen, die für das  Wachstum und Entwicklung der Brut und deren spätere Fitness notwendig sind. Bei ähnlicher Temperatur lagert natürlich auch der Honig in den Waben. Diese entnehmen wir, entdeckeln die Zellen und schleudern sie aus. Der Honig wird also bei Stocktemperatur geerntet, also niemals kalt, wie oft fälschlich behauptet wird. Erhitzen lassen sich die Waben über Stocktemperatur auch nicht, denn dann würde das Wachs der Waben zerfließen und den Brei aus Wachs und Honig würde niemand essen können.

Das Wachs wird übrigens von den Bienen selbst erzeugt und ist ein reiner Naturstoff. Bienen durchlaufen wie alle holometabole Insekten die Entwicklung Ei, Made, Puppe, Imago. Das fertige Insekt erledigt in den ersten 20 Tagen als Stockbiene altersbedingt zeitlich aufeinander folgende Tätigkeiten. So beginnen am 10ten Tag die an der Unterseite des Hinterleibes gelegenen Drüsen mit der Produktion von Wachs und die Biene erfüllt in der Regel die nächsten Tage als Baubiene die Aufgabe, die Wachsplättchen durchzukauen, zu formen und so Zellen herzustellen oder sie zu verdeckeln. Allerdings haben neuere Forschungen gezeigt, dass diese starre Zuordnung (s.u.) nicht richtig ist. Die Drüsen arbeiten, ähnlich wie unsere Schweißdrüsen, flexibel nach Anforderung.

Lebenslauf der Biene

 

Wie gesagt, die Abb. gibt nur schematisch die wechselnden Tätigkeiten wieder. Bei Bedarf sind die Bienen wesentlich flexibler: So kann z.B. bei Mangel an Sammelbienen diese Tätigkeit bereits am 16. Tag beginnen. Auch fehlt im Schema die Aufgabe der Heizbienen (s.u.), die mit Nektar versorgt werden und nach neueren Untersuchungen mit Wärmebildkameras nur die Aufgabe haben, das Brutnest durch Muskeltätigkeit auf mollige 40°C aufzuheizen. Diese Umsetzung der Nahrung in Wärmeenergie ist äußerst kräftezehrend und begrenzt die Lebensdauer.

 

Foto: Eckart Mayer

 

 

 

 

Wenn man mit einer Art Gabel die Honigzellen vor dem Schleudern der Waben
öffnet, dann fließen mit dem Honig feine Wachsteilchen in das Auffanggefäß. Um deren Anteil möglichst gering zu halten, schalten Imker/innen ein feines Sieb dazwischen. Noch feinere Wachsteilchen schwimmen auf dem Honig auf und werden dort abgeschöpft. Trotzdem kann es vorkommen, dass Wachsteilchen durchgeflutscht sind und sich im Honigglas beim Öffnen an der Oberfläche zeigen. Das ist also nicht weiter schlimm, beeinträchtigt den Geschmack nicht und es sind sozusagen die Reste der essbaren Verpackung, die die Biene selbst erzeugt hat. Es gibt ja auch Imker, die ihre Honiggläser mit einem Stück unbebrüteter Wabe dekorieren, aber das ist Geschmackssache. Inzwischen ist die Verwendung eines feinmaschigen Netzes üblich, sodass so gut wie keine Wachsteilchen im Honig zu finden sind.

Honig kristallisiert aus. Überließe man ihn unbehandelt in diesem Prozess, würde er anfangs sehr hart, nach längerer Lagerung wieder weich.  Damit sich kleine, feine Kristalle bilden, die den Honig streichfähig halten, muss er täglich gerührt werden. Neueren Erkenntnissen zufolge ( Dr. Jens Radtke, Deutsches Bienenjournal 8/2019, S.19) erreicht man durch das Rühren kein Zerschlagen der großen Kristalle, sondern lediglich eine Durchmischung des Honigs. Das bedeutet, dass Wasseranteile und Kristalle gut verteilt sind und es nicht zum Absetzen des Honigs unter einer Wasserschicht kommt. Dies erledigt man in der Regel mit Hilfe einer Elektromaschine, die über ein Untersetzungsgetriebe einen Rührer im Honigbottich antreibt. Honig ist eine zähe, schwer zu bewegende Masse, die einem beim Durchrühren von Hand ziemliche Kraft abfordert und im Ergebnis wenig befriedigt. Daher ist der maschinelle Einsatz eine große Hilfe. Nach ca. 8 Tagen ist diese Arbeit abgeschlossen und man füllt den Honig in die Gläser. Das Geheimnis eines streichfähigen, cremig weichen Honigs ist also das sorgfältige, regelmäßige Rühren bei Stocktemperatur. Trotzdem gibt es auch vereinzelt Liebhaber/innen ungerührten Honigs! Die im Honig enthaltenen Enzyme sind licht- und wärmeempfindlich, deshalb darf beim Rühren nur Stocktemperatur herrschen und die Lagerung im Glas sollte im Dunklen stattfinden. Stellen Sie Honig nie in den Kühlschrank, dort wird er hart. Sollte der Honig trotzdem einmal zu fest geworden sein, erwärmen Sie ihn im Wasserbad nicht über 40 °C und rühren Sie ihn kräftig um. Er behält dann die gewünschte Konsistenz.

Honig kann, wie auf meinem Foto abgebildet, trotz sorgfältigen Rührens und sachgemäßer Lagerung Zuckerkristalle bilden. Das hat auf die Qualität keinerlei Einfluss, und wenn Sie das unter einer Lupe betrachten, werden Sie an den schneeweiß glänzenden Formen im auskristallisierten Bereich Ihre Freude haben.

Wir Hobbyimker, die einen kleinen Bienenstand im Garten besitzen, ernten - je nach Blütenlage der Umgebung - nur vergleichsweise geringe Mengen an Honig. Dieser Honig ist einzigartig, ein köstliches Mitbringsel aus dem Heimatort und musste zu Ihrem Frühstückstisch keine weiten Wege zurücklegen.

Wir wünsche guten Appetit!

Wulfhard Matzick

Aufgrund sehr warmen, trockenen Wetters kann es reichlich Blatthonig an allen Standorten geben. Der Anteil daran verleiht dem Frühjahrs- sowie Sommerhonig  eine satt dunkelbraune Farbe sowie einen besonders leckeren Geschmack. Er bleibt etwas dünnflüssiger, was bei dem Frühjahrshonig, der sonst wegen seines Rapsanteils eher fest wird, auffällig ist.

Blatthonig, meist als dunkler Waldhonig, wird als Spezialität  hochpreisig gehandelt und stammt häufig aus Gebirgsräumen mit Nadelwaldbeständen (z.B. Schwarzwald), aber auch aus Eichenwäldern gewinnen wir dunklen Honig.