Wabenbau

Beobachtungen an einer Wabe

Bienenwaben vermitteln mit ihrer Zellenstruktur eine mathematische Präzision, die ihresgleichen sucht. So erscheint die abgebildete Wabe, die die Bienen in einen Rahmen ohne Mittelwand hineingebaut haben, oberflächlich betrachtet als perfekt gelungen.

Beim näheren Hinsehen beobachten wir allerdings Besonderheiten. Wie ist das eigentlich, steht das geformte Zellensechseck immer auf der Ecke – oder ist immer die Kante waagerecht, also parallel zur Rahmenoberkante?

Immer – auch so eine Unterstellung. Bauen Insekten stets nach genau dem selben Plan, weil sie genetisch festgelegt gar nicht anders können? Hüsing und Nitschmann schreiben im Lexikon der Bienenkunde, München 1987, unter Wabe: „Die Genauigkeit der Bienenbauten wurde früher allerdings überbewertet. Neben geringen Abweichungen kommen auch größere Unregelmäßigkeiten vor“ (S.366).

Die Fotos zeigen eine Drohnenwabe,  einen Rahmen, in den die Bienen frei, also ohne vorgegebene Mittelwand, hineingebaut haben. Wie man sieht, werden die Zellen tatsächlich unterschiedlich gestellt.

Hier also die Variante mit der waagerecht liegenden Zellenkante.

 

 

Dieses Foto zeigt die alternative Bauweise mit der Ecke nach oben, die gemeinhin für die normale Bauweise gehalten wird. So sind auch unsere Mittelwände vorgeformt.

Hüsing und Nitschmann beschreiben die Kreativität im Wabenbau also richtig. Die unterschiedliche Ausrichtung der Zellen gilt dann oft abschnittsweise, scheint also so, als haben sich die Bienen erneut auf ein System der Bauweise geeinigt. Interessant sind dabei die Übergänge, die beim Wechsel entstehen.

Wulfhard Matzick