IMKERN im Monat:
AUGUST / SEPTEMBER
Auffütterungszeit
Sparsame Imker*innen setzen eine leere Zarge auf, stellen eine Schüssel mit Zuk- kerwasser in der Mischung 1:1 (oder stärker) auf, geben etwas zum Klettern für die Bienen in die Schale (Stroh, Streifen Fliegengitter), und fertig.
Aber, es gibt auch extra Futterzargen. Selbst Bruder Adam (3.8.1898-1.9.1996) hat einen Fütterer entwickelt, bei dem die Bienen in einem geschlossenen Aufstieg an das Flüssigfutter gelangen, ohne den Vorratsraum betreten zu können. Der angebliche Vorteil ist, dass der Imker beim Auffüttern keinen Kontakt zu den Bienen bekommt, was z.B. bei dem anfangs beschriebenen Verfahren nicht gilt.



Links sieht man den Topf, der über den zentralen Aufstiegskegel gestülpt war. Rechts ist das modernisierte Verfahren mit Absperrgitter über die ganze Zargenbreite.
Der schwarze, gelochte Kunststoffstreifen wurde von einem genervten Imker angebracht; denn die Bienen fraßen sich ständig durch das Styropor zum Vorratsraum durch. Was liegt da also näher, als dem Wunsch der Tiere zu folgen und die Sperre ganz zu entfernen? Zumal das Abdeckfliegengitter sowieso eine Anfangssperre darstellt. Das Zuckerwasser durch das Gitter zu gießen, empfiehlt sich nicht, denn der Zucker kristalliert darauf aus und zieht mit seinem Gewicht das Netz nach unten.
Wie stark der Zugang zum Futter genutzt wird, ist auf den Bildern gut zu erkennen.
Nun könnte man meinen, die Bienen würden viel zu schnell alles verarbeiten, den Brutraum durch Einlagerung von Zuckerwasser dramatisch verkleinern. Das gilt wohl, wenn man das 10L-Fassungsvermögen der Futterzarge voll ausnutzt. Wer täglich sich mit 2L-Gaben begnügt, lässt den Bienen gut Zeit für die Verarbeitung und riskiert keine Schimmelbildung.
Berufsimker sehen das sicher ganz anders, aber Hans Beer (26.1.1942-2.12.2017) hat uns sinngemäß ins Stammbuch geschrieben, dass, wenn ein Kaninchenhalter täglich seine Tiere füttert, es einem Imker zuzumuten sei, einmal im Jahr für einen kurzen Zeitraum seine Bienen mit kleinen Mengen Zuckerwasser zu versorgen.

Saccharose ist die Transportform des Zuckers in der Pflanze - gebildet in den Blättern, transportiert in die Wurzel. Sie besteht aus zwei Zuckern, nämlich Glucose und Fructose. Die Biene muss die Saccharose in die gut verdaulichen Zucker aufspalten. Dazu speichelt sie Invertase im Mund dazu. Das ist ein Enzym. Findige Produzenten von Invertase dachten sich, es den Bienen leichter zu machen (und den Imkern ein Wundermittel zu verkaufen). Also raten sie, Invertase bereits dem Zucker zuzumischen, damit die Bienen es leichter haben. Nun ist es aber so: Die Biene hat keinen Sensor, der ihr sagt, ob da Saccharose oder Fructose oder Glucose im Mund ist. Sie gibt so oder so ihr eigenes Enzym dazu. Wir speicheln ja auch unsere Nahrung ein, bis sie flutscht - und nicht gemäß seiner Bestandteile.
Übrigens: Im Selbsttest kann man die 3 Zuckerarten in Wasser verdünnt abschmecken und sogar unter Invertaseeinsatz. Es ist alles nur süß.
Mein Fazit: Invertase kann man dazugeben - muss man aber nicht.
Wulfhard Matzick